Die 7 Faktoren der Resilienz: Überblick, Übung und Alltagsbezug.

Das Konzept der Resilienz hat in verschiedenen Bereichen, wie Psychologie, Pädagogik und Management, an Bedeutung gewonnen, da es ein tieferes Verständnis für die Fähigkeit der Menschen, Krisen zu bewältigen und sich trotz widriger Umstände zu erholen, vermittelt.

Was bedeutet Resilienz eigentlich?

Der Begriff "Resilienz" stammt vom lateinischen Wort "resilire", was "zurückspringen" oder "abprallen" bedeutet. In der ursprünglichen Bedeutung wird Resilienz verwendet, um die Elastizität von Materialien zu beschreiben, die nach Verformung wieder in ihre ursprüngliche Form zurückkehren können. Wie beispielsweise ein Gummiring.

In den 1970er Jahren wurde der Begriff in der Psychologie übernommen, um die Fähigkeit von Menschen zu beschreiben, sich nach Belastungen, Krisen oder Traumata zu erholen und gestärkt aus diesen Erfahrungen hervorzugehen. In diesem Zusammenhang bezieht sich Resilienz auf die psychologische Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, mit Widrigkeiten umzugehen.

Resilienz ist in den letzten Jahren auch im alltäglichen Sprachgebrauch populär geworden. Durch beispielsweise die Covid-Krise oder als Fähigkeit, die im beruflichen Kontext erwartet wird. Aber was ist “Resilienz”? Woran merkt man, wie resilient man selber ist? Und kann man Resilienz erlernen oder trainieren?
In diesem Artikel wirst du die Anfänge der Resilienzforschung kennenlernen und vor allem die 7 Faktoren der Resilienz, angelehnt an Karen Reivich und Andrew Shatte, vorgestellt bekommen.

Emmy Werner und ihre Ergebnisse zu Resilienz

Emmy Werner war eine Entwicklungspsychologin, die in den 1950er Jahren eine Langzeitstudie auf der Insel Kauai, Hawaii, durchführte, um die Entwicklung von Kindern über einen längeren Zeitraum zu untersuchen. Die Studie dauerte mehrere Jahrzehnte (1955–1995) und konzentrierte sich auf verschiedene Lebensverläufe von Kindern, insbesondere auf diejenigen, die widrige Lebensumstände erlebten.

Emmy Werner prägte den Begriff "Resilienz" in der Psychologie, um die Fähigkeit von Menschen zu beschreiben, trotz schwieriger Lebensumstände erfolgreich zu gedeihen. Sie identifizierte zwei Hauptgruppen von Kindern in ihrer Studie:

  1. Verletzliche Kinder: Diese Gruppe bestand aus Kindern, die aufgrund verschiedener Risikofaktoren Schwierigkeiten in ihrer Entwicklung hatten. Dazu gehörten Faktoren wie Armut, familiäre Probleme oder mangelnde Unterstützung.

  2. Resiliente Kinder: Diese Gruppe umfasste Kinder, die trotz widriger Umstände gut funktionierten. Sie entwickelten sich gut und zeigten eine hohe Anpassungsfähigkeit.

Werner entdeckte, dass resiliente Kinder bestimmte gemeinsame Merkmale aufwiesen. Dazu gehörten positive persönliche Eigenschaften wie soziale Kompetenz, Intelligenz, Selbstkontrolle und eine positive Einstellung. Darüber hinaus spielten auch externe Faktoren, wie unterstützende Beziehungen zu Erwachsenen oder Mentoren, eine entscheidende Rolle für die Resilienz.

Die Ergebnisse von Emmy Werner trugen dazu bei, das Verständnis für die Resilienz zu fördern und zeigten, dass es trotz widriger Umstände Möglichkeiten gibt, positive Entwicklungen zu unterstützen.

Eines der bekannten Werke von Emmy Werner ist das Buch "Overcoming the Odds: High Risk Children from Birth to Adulthood", das im Jahr 1992 veröffentlicht wurde.
In diesem Buch präsentiert sie die Ergebnisse ihrer Langzeitstudie und diskutiert die Konzepte der Resilienz anhand von Beispielen aus dem Leben der untersuchten Kinder. Die Veröffentlichung von "Overcoming the Odds" trug dazu bei, das Interesse an der Resilienzforschung zu fördern und das Verständnis für die Faktoren zu vertiefen, die dazu beitragen, dass Menschen in schwierigen Situationen erfolgreich gedeihen können.

Die 7 Faktoren der Resilienz

Resilienz ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen wie Psychologie, Pädagogik und Soziologie. Sie basiert auf einer Vielzahl von Quellen, darunter Lebensgeschichten, Fallstudien, empirische Untersuchungen und klinische Erfahrungen.

Die Idee, dass bestimmte Faktoren die Fähigkeit zur Bewältigung von Stress und Krisen fördern können, stammt aus einem breiten Forschungsspektrum über menschliches Verhalten und psychische Gesundheit. Forscher, Theoretiker und Praktiker haben im Laufe der Zeit unterschiedliche Modelle und Konzepte entwickelt, um zu verstehen, wie Resilienz entsteht und gestärkt werden kann.


Karen Reivich und Andrew Shatte haben in ihrem Buch "The Resilience Factor" sieben Faktoren identifiziert, die zur Resilienz beitragen.

Diese Faktoren sind Bestandteil ihres Resilience Factor Inventory (RFI), das als Instrument zur Messung und Entwicklung von Resilienz dient. Hier sind die sieben Faktoren:

  1. Emotionssteuerung und Selbstwahrnehmung

  2. Impulskontrolle und Selbstregulation

  3. Kausalanalyse

  4. Selbstwirksamkeit

  5. Realistischer Optimismus

  6. Empathie

  7. Zielorientierung

Ist Resilienz erlernbar?

Ja, Resilienz kann in gewissem Maße gelernt und entwickelt werden. Es ist wichtig zu beachten, dass Resilienz eine komplexe Fähigkeit ist, die aus verschiedenen Faktoren und Bewältigungsstrategien besteht. Hier sind einige Ansätze, wie Resilienz gefördert werden kann:

1. Ausbildung und Bewusstsein: Das Verständnis für die Prinzipien der Resilienz und die Identifizierung persönlicher Stärken und Bereiche zur Weiterentwicklung können durch Bildung und Selbstreflexion gefördert werden.

2. Training und Interventionen: Es gibt spezielle Resilienztrainings und Programme, die entwickelt wurden, um Menschen dabei zu unterstützen, ihre psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken. Diese können verschiedene Techniken und Übungen zur Förderung von Selbstwahrnehmung, Selbstregulation, Optimismus und anderen Faktoren beinhalten.

3. Psychologische Unterstützung: Therapeuten, Psychologen oder Coaches können individuelle Unterstützung bieten, um Resilienzfaktoren zu identifizieren und Strategien zur Stärkung zu entwickeln.

4. Soziale Unterstützung: Ein starkes soziales Netzwerk kann einen bedeutenden Einfluss auf die Resilienz haben. Die Pflege von Beziehungen, der Austausch von Erfahrungen und die Unterstützung durch Freunde und Familie sind wichtige Elemente.

5. Achtsamkeit und Meditation: Praktiken wie Achtsamkeit und Meditation können helfen, die Selbstwahrnehmung und Selbstregulation zu verbessern, was wiederum die Resilienz fördern kann.

6. Flexibles Denken: Die Förderung von adaptiven Denkmustern, die eine realistische Sichtweise auf Herausforderungen ermöglichen, kann dazu beitragen, Resilienz zu stärken.

Es ist wichtig zu betonen, dass Resilienz nicht als starre Eigenschaft betrachtet werden sollte, sondern als dynamischer Prozess. Menschen können im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Grade der Resilienz zeigen und diese kann sich im Laufe der Zeit entwickeln. Indem man aktiv an der Stärkung von Resilienzfaktoren arbeitet, kann man besser darauf vorbereitet sein, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen.

Übung: Three good things

Eine Übung, die auf den Prinzipien von Karen Reivich und Andrew Shatte basiert, um die Resilienz zu verstärken, ist die "Three Good Things" (Drei gute Dinge) Übung. Diese Übung konzentriert sich darauf, positive Aspekte im Leben zu erkennen und fördert eine optimistische Sichtweise. Hier ist, wie die Übung durchgeführt wird:

  1. Tägliches Journaling: Nimm dir jeden Abend kurz Zeit, um in einem Tagebuch drei gute Dinge aufzuschreiben, die an diesem Tag passiert sind. Dies könnten positive Erlebnisse, Erfolge, kleine Freuden oder dankbare Momente sein.

  2. Spezifische Beschreibungen: Beschreibe jede gute Sache detailliert. Stelle dir Fragen wie: Was genau ist passiert? Wer war dabei? Wie hast du dich gefühlt? Indem du spezifisch bist, vertiefst du dein Bewusstsein für positive Ereignisse.

  3. Warum es passiert ist: Überlege, warum diese guten Dinge passiert sind. Was hast du getan oder welche Fähigkeiten hast du eingesetzt, um zu diesen positiven Ergebnissen beizutragen? Dies fördert die Selbstwirksamkeit.

Diese Übung hilft dabei, den Fokus auf positive Aspekte im Leben zu lenken und fördert eine optimistische Perspektive. Indem du täglich nach guten Dingen suchst und diese bewusst wahrnimmst, kannst du deine Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und Optimismus stärken, die alle zur Resilienz beitragen.

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